Was ist der Europäische Unfallbericht?
Der Europäische Unfallbericht (auch „constat amiable” oder „European Accident Statement”) ist ein genormtes Formular, das in ganz Europa zur Dokumentation von Verkehrsunfällen verwendet wird. Er erleichtert die Schadensabwicklung erheblich, weil er alle relevanten Informationen in einer strukturierten Form erfasst, die Versicherungen in ganz Europa verstehen.
Das Formular ist zweiseitig konzipiert: Beide Unfallbeteiligten füllen ihre Angaben auf demselben Blatt aus und erhalten nach dem Durchschreiben je eine Kopie. Beide unterschreiben, und jeder sendet seine Kopie an seine Versicherung.
Wann brauche ich den Unfallbericht?
Der Europäische Unfallbericht kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn:
- Kein Personenschaden vorliegt
- Beide Beteiligten einvernehmlich den Hergang schildern
- Keine Polizei gerufen wurde
Auch wenn die Polizei anwesend ist, kann er ausgefüllt werden — als ergänzende Dokumentation. Bei Streitigkeiten über den Unfallhergang ersetzt er allerdings nicht das Polizeiprotokoll.
Aufbau des Formulars: Abschnitt für Abschnitt
Feld 1–4: Ort, Datum, Uhrzeit und Verletzte
Tragen Sie hier den genauen Unfallort (Straße, Hausnummer, Kilometerstein), das Datum und die Uhrzeit ein. Im Feld für Verletzte: Geben Sie ehrlich an, ob Personen verletzt wurden — auch leichte Verletzungen zählen.
Feld 5–8: Fahrzeug und Zeugen
Jeder Beteiligte trägt das eigene Kennzeichen, den Fahrzeugtyp und den Fahrzeughalter ein. Zeugen werden namentlich mit Anschrift notiert. Haben Sie keine Zeugenangaben, lassen Sie das Feld leer — erfinden Sie nichts.
Feld 9–14: Versicherungsangaben
Hier stehen der Name der Versicherungsgesellschaft und die Versicherungsscheinnummer. Diese finden Sie auf dem Versicherungsschein oder auf der Versicherungskarte, die im Fahrzeug mitgeführt werden sollte.
Feld 15: Ankreuzliste „Welches Fahrzeug hat…”
Dies ist das Herzstück des Formulars. Beide Fahrer kreuzen unabhängig voneinander an, welche Situation auf ihr Fahrzeug zutrifft, beispielsweise:
- Fuhr auf einem Parkplatz / verließ einen Parkplatz
- Fuhr rückwärts
- Bog links ab / rechts ab
- Überholte / wechselte die Spur
- Überfuhr eine Haltelinie
- Hatte keine Vorfahrt
Es sind nur Punkte anzukreuzen, die eindeutig auf Sie zutreffen. Übertreiben Sie nicht zugunsten des Gegners.
Feld 16: Skizze
Zeichnen Sie eine einfache, aber klare Skizze:
- Fahrspuren und deren Richtung (Pfeile verwenden)
- Position der Fahrzeuge vor dem Unfall
- Position der Fahrzeuge zum Zeitpunkt der Kollision
- Ampeln, Schilder, Abbiegespuren
- Bremsspuren (falls sichtbar)
Beschriften Sie Fahrzeug A und Fahrzeug B entsprechend den Feldern des Formulars. Präzision ist wichtiger als Künstlertum — eine klare Skizze hilft der Versicherung, die Situation nachzuvollziehen.
Feld 17: Hergang in eigenen Worten
Hier schildern Sie den Unfallhergang in Ihren eigenen Worten. Empfehlungen:
- Kurz und sachlich bleiben
- Keine Schuldzuweisungen oder Vermutungen
- Nur das beschreiben, was Sie selbst wahrgenommen haben
- Wetterbedinungen, Sichtweite, Fahrbahnzustand erwähnen
Beispielformulierung: „Fuhr auf der Hauptstraße geradeaus. Fahrzeug B wechselte ohne Zeichen zu geben auf meine Spur. Kollision im vorderen linken Bereich meines Fahrzeugs.”
Feld 18: Unterschriften
Beide Fahrer unterschreiben. Die Unterschrift bestätigt:
- Die oben genannten Angaben sind korrekt.
- Beide Beteiligten tauschen Daten aus.
- Fotos wurden gemacht.
Sie ist kein Schuldanerkenntnis. Lassen Sie sich von der Gegenseite nicht unter Druck setzen, etwas zu unterschreiben, das nicht stimmt.
Häufige Fehler beim Unfallbericht
Fehler 1: Unterschrift ohne Lesen
Viele Unfallbeteiligte sind so unter Stress, dass sie den ausgefüllten Bericht des Gegners unterschreiben, ohne ihn zu lesen. Lesen Sie immer alles durch, bevor Sie unterschreiben. Entdecken Sie fehlerhafte Angaben: korrigieren, nicht unterschreiben.
Fehler 2: Schuld eingestehen im Freitext
Formulierungen wie „Ich war abgelenkt” oder „Ich habe ihn übersehen” haben im Feld 17 nichts zu suchen. Schildern Sie nur den sachlichen Hergang — die Versicherung bewertet die Schuldfrage selbst.
Fehler 3: Keine Fotos gemacht
Der Unfallbericht allein reicht oft nicht aus. Fotos sind das wichtigste Beweismittel, wenn die Schilderungen der Beteiligten voneinander abweichen. Machen Sie Fotos, bevor Sie die Fahrzeuge bewegen.
Fehler 4: Zeugen nicht notiert
Zeugen sind Gold wert. Oft stehen Unbeteiligte am Straßenrand, die alles gesehen haben. Holen Sie sich sofort Vor- und Nachname sowie Telefonnummer — danach sind sie möglicherweise weg.
Fehler 5: Mängel am eigenen Formular
Das Formular muss deutlich lesbar sein. Schreiben Sie in Druckbuchstaben. Falls ein Feld ausläuft oder unleserlich wird: Streichen, neu schreiben, Streichung mit Abkürzung beider Beteiligten gegenzeichnen lassen.
Muster: Typische Unfallbeschreibung
Zur Orientierung hier ein Muster für Feld 17 bei einem häufigen Unfalltyp — Auffahrunfall an einer Ampel:
Fahrzeug A (Geschädigter): „Stand an der roten Ampel am Kreisverkehr Ecke Hauptstraße/Bahnhofstraße. Motor lief, Fahrzeug stand. Plötzlicher Aufprall von hinten. Ampel war zum Kollisionszeitpunkt rot.”
Fahrzeug B (Verursacher): „Fuhr auf der Hauptstraße Richtung Bahnhof. Sah zu spät, dass Fahrzeug A an der Ampel hielt. Konnte nicht rechtzeitig bremsen. Aufprall auf das Heck von Fahrzeug A.”
Was passiert nach dem Absenden?
Senden Sie Ihre Kopie innerhalb von wenigen Tagen an Ihre Versicherung. Legen Sie Fotos und alle weiteren Belege bei. Ihre Versicherung kontaktiert die Versicherung des Gegners und klärt die Haftungsfrage.
In der Regel erhalten Sie innerhalb von zwei bis vier Wochen eine Rückmeldung. Bei komplizierten Fällen oder wenn ein Gutachter hinzugezogen wird, kann es länger dauern.
Digitale Alternativen
Die App „Unfallbericht” des GDV ermöglicht es, den Europäischen Unfallbericht digital auszufüllen und per E-Mail oder direkt an die Versicherung zu übermitteln. Vorteil: Fotos können direkt angehängt werden. Viele Versicherungen akzeptieren die digitale Version, prüfen Sie dies aber im Zweifel vorab.