Wildunfall – was tun? Die Checkliste
- Kontrolliert bremsen, nicht riskant ausweichen
- Warnblinkanlage einschalten, Warnweste anziehen
- Warndreieck aufstellen
- Tier nicht berühren
- Polizei (110) oder Jagdausübungsberechtigten verständigen
- Fotos vom Fahrzeugschaden, von Spuren und vom Unfallort
- Wildunfallbescheinigung geben lassen
- Versicherung informieren, bevor das Fahrzeug repariert wird
Wie häufig Wildunfälle sind
Die deutschen Kfz-Versicherer haben für das Jahr 2024 über 276.000 Wildunfälle mit kaskoversicherten Autos registriert; der durchschnittliche Schaden lag bei 4.100 Euro (GDV, Mitteilung vom 29.09.2025). Mit Verletzten oder Getöteten endeten deutlich weniger: Die Polizei zählte 2025 bundesweit 2.549 Unfälle mit Personenschaden mit der Unfallursache „Wild auf der Fahrbahn“, 2024 waren es 2.412 (Statistisches Bundesamt).
Laut GDV steigt die Gefahr im April und Mai sowie von Oktober bis Dezember deutlich an, besonders in der Dämmerung, wenn die Sicht eingeschränkt ist und Tiere unvermittelt auf die Fahrbahn laufen.
Wildtiere verhalten sich für Autofahrer unberechenbar. Ein Tier am Straßenrand läuft oft erst kurz vor dem Auto auf die Fahrbahn. Wildschweine queren häufig in Gruppen: Ist ein Tier über die Straße, können weitere folgen.
Sofortmaßnahmen nach dem Wildunfall
Unfallstelle absichern
Halten Sie an, aber bremsen Sie kontrolliert – ein Schlenker in die Böschung oder in den Gegenverkehr kann schlimmer sein als der Zusammenstoß selbst. Schalten Sie die Warnblinkanlage ein, ziehen Sie die Warnweste an und stellen Sie das Warndreieck mit ausreichendem Abstand auf (auf Landstraßen etwa 100 Meter hinter der Unfallstelle).
Tier nicht berühren
Nähern Sie sich dem verletzten oder getöteten Tier nicht. Auch scheinbar tote Tiere können in Panik reagieren und Verletzungen verursachen, außerdem können Wildtiere Krankheiten übertragen. Das Bergen ist Aufgabe des Jagdausübungsberechtigten.
Polizei oder Jagdausübungsberechtigten informieren
In vielen Bundesländern ist ein Wildunfall nach Landesjagdrecht unverzüglich zu melden – bei der Polizei oder beim Jagdausübungsberechtigten (Jagdpächter oder Revierinhaber). Rufen Sie im Zweifel die Polizei (110); sie informiert in der Regel den Zuständigen. Ist das Tier verletzt geflüchtet, beschreiben Sie die Fluchtrichtung so genau wie möglich, damit es gesucht werden kann.
Wild nicht mitnehmen
Wildtiere gehören niemandem. Das Recht, sich das Tier anzueignen, ist Teil des Jagdrechts (§ 1 Bundesjagdgesetz) und steht dem Jagdausübungsberechtigten zu. Wer angefahrenes Wild mitnimmt, kann sich wegen Jagdwilderei strafbar machen (§ 292 StGB).
Die Wildunfallbescheinigung
Die Wildunfallbescheinigung bestätigt, dass ein Zusammenstoß mit Wild stattgefunden hat. Ausgestellt wird sie je nach Bundesland und Situation von der Polizei oder vom Jagdausübungsberechtigten. Sie ist für die Versicherung der wichtigste Nachweis. Notieren Sie außerdem die Vorgangsnummer, falls die Polizei den Unfall aufnimmt.
Fehlt ein solcher Nachweis – etwa weil das Tier geflüchtet ist –, kann die Regulierung schwieriger werden. Helfen können dann andere Belege wie Haare oder Blut am Fahrzeug, typische Schadensbilder und Fotos. Fotografieren Sie deshalb alles.
Welche Versicherung zahlt?
Teilkasko
Ob und wofür die Versicherung zahlt, richtet sich nach Ihrem Vertrag (AKB). In der Regel deckt die Teilkasko Schäden durch einen Zusammenstoß des fahrenden Autos mit Haarwild. Was Haarwild ist, legt § 2 Abs. 1 Nr. 1 Bundesjagdgesetz fest, zum Beispiel:
- Rehwild, Rotwild, Damwild und Schwarzwild (Wildschwein)
- Feldhase, Wildkaninchen und Fuchs
- Dachs, Stein- und Baummarder sowie Fischotter
Federwild wie Fasanen oder Enten gehört nicht dazu, ebenso wenig Haus- und Nutztiere. Manche Tarife erweitern den Schutz auf weitere Tiere oder auf Tiere aller Art – prüfen Sie Ihren Vertrag.
Ausweichen ohne Zusammenstoß
Weichen Sie einem Tier aus und entsteht dabei ein Schaden, ohne dass Sie das Tier berühren, kann dieser Schaden als Rettungskosten ersetzt werden, wenn das Ausweichen geboten war (§§ 83, 90 Versicherungsvertragsgesetz). Bei kleinen Tieren wird das Ausweichen häufig nicht als geboten angesehen. Sie müssen außerdem belegen können, dass das Tier tatsächlich da war.
Vollkasko
Die Vollkasko umfasst die Leistungen der Teilkasko. Wird ein Wildunfall mit Haarwild über diesen Teilkasko-Teil reguliert, wirkt er sich laut GDV nicht auf den Schadenfreiheitsrabatt aus. Ob die Vollkasko darüber hinaus zahlt, etwa bei anderen Tieren, und ob es dann zu einer Rückstufung kommt, hängt vom Vertrag ab.
Haftpflicht
Die Kfz-Haftpflicht zahlt Schäden an anderen Fahrzeugen oder Personen, nicht den eigenen Fahrzeugschaden. Schleudern Sie nach einem Wildunfall gegen ein anderes Auto, greift die Haftpflicht für den Schaden am anderen Fahrzeug.
Mehr dazu im Ratgeber Wildunfall und Versicherung: Teilkasko oder Vollkasko?.
Wildwechsel erkennen und Unfälle vermeiden
Warnschilder beachten
Gefahrzeichen mit springendem Hirsch warnen vor Wildwechsel. Fahren Sie dort langsamer und besonders aufmerksam, vor allem an Feld- und Waldrändern und in der Dämmerung.
Bei Tier am Straßenrand oder auf der Fahrbahn
Abblenden, hupen, abbremsen. Fernlicht kann Tiere blenden, sodass sie stehen bleiben; Hupen kann sie von der Straße vertreiben. Steht ein Tier auf der Fahrbahn: bremsen, Lenkrad festhalten und nicht riskant ausweichen. Die Kollision mit einem Baum oder einem anderen Fahrzeug ist in der Regel gefährlicher als der Zusammenstoß mit dem Tier (GDV).
Schäden dokumentieren und melden
Machen Sie Fotos:
- Fahrzeugschäden aus allen Winkeln
- Haare, Blut oder andere Spuren des Tieres am Fahrzeug oder auf der Fahrbahn
- das Tier selbst (sofern vor Ort und aus sicherer Entfernung)
- Straßensituation, Wildwechselschild, Sichtweite
Informieren Sie Ihren Versicherer möglichst früh, auf jeden Fall bevor das Fahrzeug repariert, verschrottet oder verkauft wird. Übermitteln Sie:
- Wildunfallbescheinigung bzw. Vorgangsnummer der Polizei
- Fotos
- Beschreibung des Hergangs
Quellen
- GDV (Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft): Kfz-Versicherung: Wildunfälle haben 2024 über eine Milliarde Euro gekostet, 29.09.2025
- Statistisches Bundesamt (Destatis): Allgemeine Unfallursachen von Unfällen mit Personenschaden, Berichtsjahre 2024 und 2025; Datenlizenz Deutschland – Namensnennung – Version 2.0 (dl-de/by-2-0)
- § 1 und § 2 Bundesjagdgesetz, § 292 StGB, §§ 83, 90 VVG
Allgemeine Information, keine Rechts- oder Versicherungsberatung. Maßgeblich sind Ihr Versicherungsvertrag (AKB) und das Jagdrecht Ihres Bundeslandes.